Manchen reicht ein warmes Duschwasser im Camper einfach nicht – die wollen es perfekt. Unser Kunde Andreas gehört genau in diese Kategorie: Mit viel Tüftlergeist hat er die Alde-Warmwasserbereitung in seinem Flair 2 ordentlich aufgemotzt. Wie er das gemacht hat, zeigen wir dir hier. Und falls du eher der Typ "soll einfach funktionieren" bist: Pundmann bietet auch fertige Automatisierungslösungen für die Warmwasserbereitung im Camper, die direkt out of the box laufen ;-)

Andreas erzählt, wie er sein System aufgebaut hat:
Ausgangssituation
Da wir häufig autark unterwegs sind und die Alde-Anlage möglichst schonen möchten, habe ich das komplette Warmwassersystem meines Wohnmobils umgebaut und über Home Assistant automatisiert. Ziel war es, jederzeit kostengünstig Warmwasser zur Verfügung zu haben und dabei automatisch die jeweils günstigste Energiequelle zu nutzen. Gleichzeitig sollte die verfügbare Warmwassermenge deutlich erhöht werden, ohne zusätzlichen Gasverbrauch.
Verbaut ist eine Alde 3000 Warmwasserheizung sowie zusätzlich ein isolierter 6-Liter-Edelstahlboiler der Firma Pundmann. Der Boiler verfügt über zwei separate 230-Volt-Heizstäbe mit jeweils 500 Watt Leistung. Jeder Heizstab wird über einen eigenen Shelly 1 Plus geschaltet und kann unabhängig voneinander betrieben werden.
Die Energieversorgung erfolgt über:
- 1.400 Wp Solaranlage
- 900 Ah LiFePO4-Batterie
- Victron MultiPlus II 3000
- Victron Ladebooster
- Landstromanschluss
- Motorwärmetauscher
Die komplette Steuerung übernimmt Home Assistant.
Intelligente Boilersteuerung
Der erste Heizstab mit 500 Watt dient als Grundheizung. Der zweite Heizstab mit weiteren 500 Watt wird als Boost-Heizung verwendet. Je nach verfügbarer Energiequelle entscheidet Home Assistant automatisch, ob mit 500 Watt oder 1.000 Watt geheizt wird.
Warmwasser während der Fahrt – Sobald die Zündung eingeschaltet wird und der Ladebooster aktiv ist, wird automatisch der erste 500-Watt-Heizstab aktiviert. Dadurch wird ein Teil der während der Fahrt verfügbaren Energie direkt in Warmwasser umgewandelt. Erreicht die Aufbaubatterie einen Ladezustand von über 85 %, wird zusätzlich der zweite Heizstab zugeschaltet und die Heizleistung auf insgesamt 1.000 Watt erhöht. So wird überschüssige Energie sinnvoll genutzt, anstatt die Batterie unnötig lange auf hohem Ladezustand zu halten.
Nutzung von Solarüberschuss – Liefert die Solaranlage mehr als 600 Watt Leistung, werden automatisch beide Heizstäbe aktiviert. Der Solarüberschuss wird dadurch direkt zur Warmwasserbereitung genutzt. An sonnigen Tagen steht das Warmwasser praktisch kostenlos zur Verfügung, ohne die Batterie zusätzlich zu belasten.
Landstrombetrieb – Liegt Landstrom an, werden grundsätzlich beide Heizstäbe aktiviert. Allerdings gibt es hierbei eine Besonderheit: Wenn die Alde-Heizung gerade elektrisch heizt, werden beide Boiler-Heizstäbe automatisch abgeschaltet. Die elektrische Alde-Heizung benötigt rund 2.000 Watt Leistung – zusammen mit den beiden Heizstäben würden etwa 3.000 Watt Leistungsaufnahme entstehen, was auf vielen Campingplätzen zum Auslösen der Sicherung führen kann. Sobald die Alde ihre Zieltemperatur erreicht und den Heizbetrieb beendet, werden die Boiler-Heizstäbe automatisch wieder freigegeben.
Temperaturüberwachung – Der Boiler wird auf maximal 55 °C aufgeheizt. Bei Erreichen dieser Temperatur werden beide Heizstäbe abgeschaltet. Fällt die Temperatur unter 53 °C, wird die Warmwasserbereitung automatisch wieder freigegeben. Dadurch entsteht eine kleine Hysterese, die unnötiges Ein- und Ausschalten verhindert.
Anwesenheits- und Zeitsteuerung – Die Warmwasserbereitung erfolgt nur dann, wenn sie tatsächlich benötigt wird. Zwischen 18:30 Uhr und 09:00 Uhr bleibt die Boilerheizung deaktiviert. Zusätzlich wird die Warmwasserbereitung abgeschaltet, wenn niemand im Wohnmobil anwesend ist. So wird unnötiger Energieverbrauch vermieden.

Nutzung der Motorwärme
Ein weiterer Bestandteil meines Systems ist die Nutzung der Motorwärme. Hierfür habe ich die Alde über einen Wärmetauscher an den Motorkühlkreislauf angebunden. Zusätzlich sind ein motorisierter Kugelhahn und eine Umwälzpumpe verbaut, die ebenfalls von Home Assistant gesteuert werden.
Während der Fahrt werden Wärmetauscher und Umwälzpumpe automatisch aktiviert, wenn die Zündung eingeschaltet ist, die Außentemperatur unter 15 °C liegt, die Innentemperatur unter 19 °C liegt und die Motorkühlmitteltemperatur über 50 °C liegt. Die ansonsten ungenutzte Motorwärme wird dadurch direkt in den Alde-Heizkreislauf übertragen.
Während der Fahrt wird das Wohnmobil praktisch kostenlos beheizt. Gleichzeitig erwärmt sich auch der Warmwasserinhalt der Alde, ohne Gas oder elektrische Heizpatronen zu verbrauchen. Nach längeren Fahrten steht dadurch häufig bereits warmes Wasser zur Verfügung, bevor überhaupt ein Stellplatz erreicht wird.
Automatische Umschaltung zwischen Boiler und Alde
Zusätzlich wurde ein motorisiertes 3-Wege-Ventil installiert. Dieses Ventil entscheidet automatisch, ob das Warmwasser nur aus dem kleinen Pundmann-Boiler oder zusätzlich über den Alde-Boiler bereitgestellt wird.
Kleiner Boiler alleine – Ist die Alde ausgeschaltet oder liegt die Wassertemperatur der Alde unter 40 °C, wird automatisch auf den kleinen Boiler umgeschaltet. Dadurch steht schnell Warmwasser zur Verfügung, ohne die komplette Alde-Anlage betreiben zu müssen. Der Gasverbrauch der Alde wird dadurch deutlich reduziert.
Alde-Boiler zuschalten – Sobald die Alde aktiv ist oder die Temperatur des Alde-Boilers über 42 °C steigt, schaltet das Ventil automatisch um. In diesem Zustand wird das Warmwasser des kleinen Boilers zusätzlich durch den Alde-Boiler geführt. Dadurch erhöht sich die verfügbare Warmwassermenge erheblich. Besonders praktisch ist dies während der Fahrt, da die Alde durch den Motorwärmetauscher häufig bereits kostenlos aufgeheizt wurde.
Beide Boiler warm – Sind sowohl der Pundmann-Boiler als auch der Alde-Boiler auf über 45 °C aufgeheizt, stehen beide Warmwasserspeicher gemeinsam zur Verfügung. Dadurch steht nahezu die doppelte Warmwassermenge zur Verfügung, ohne dass hierfür zusätzlich Gas benötigt wurde. Gerade beim Duschen macht sich dieser Unterschied deutlich bemerkbar.

Visualisierung in Home Assistant
Die komplette Anlage wird in Home Assistant visualisiert und überwacht. Dargestellt werden die aktive Warmwasserquelle, die Temperatur des Pundmann-Boilers, die Temperatur des Alde-Boilers, der Status des 500-Watt-Heizstabes, der Status des Boost-Heizstabes und der Zustand des 3-Wege-Ventils.
Sind beide Boiler auf Temperatur, erscheint automatisch der Status „Beide Boiler warm". So ist auf einen Blick erkennbar, wann die maximale Warmwassermenge zur Verfügung steht.
Fazit
Das System erzeugt Warmwasser nahezu vollständig automatisch und nutzt dabei bevorzugt kostenlose Energiequellen wie Solarstrom, Motorwärme oder bereits vorhandenen Landstrom. Durch die intelligente Kombination aus Pundmann-Boiler, Alde-Heizung, Motorwärmetauscher, 3-Wege-Ventil und Home Assistant entsteht ein vollständig automatisiertes Energiemanagement für die Warmwasserbereitung.
Die Alde wird geschont, der Gasverbrauch reduziert und gleichzeitig steht deutlich mehr Warmwasser zur Verfügung als mit dem ursprünglichen System. Nach mehreren Ausbaustufen gehört dieser Umbau inzwischen zu den komfortabelsten und effizientesten Verbesserungen im gesamten Wohnmobil.
Du willst nicht selbst tüfteln, sondern einfach warmes Wasser, das sich von selbst regelt? Pundmann bietet mit dem boilerCONTROL eine fertige Lösung für genau dieses Problem – WLAN-Steuerung, automatische Solar-Nutzung und Batteriewächter inklusive, direkt out of the box. Mehr dazu unter www.pundmann.de oder persönliche Beratung unter m.herbst@pundmann.de.